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Autor Thema: Idee zu einer beteiligtenzentrierten EVP-Praktik  (Gelesen 663 mal)

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GuteN8

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Idee zu einer beteiligtenzentrierten EVP-Praktik
« am: 22. Juni 2011, 23:50:55 »

Da mir scheint, dass hier gern Methoden Thema sind, möchte ich mal meine Gedanken zur EVP Praxis äußern, von der ich glaube, dass eine Möglichkeit zur Verbesserung besteht.

Kurz und vereinfacht: Spuk hat eine Botschaft für die Beteiligten. Diese Botschaft zu erkennen, beseitigt den Spuk. Geisterjäger gehören nicht dazu. Deshalb können sie keine AHA-Effekte (Synchronizitäten nach C.G. Jung) erleben, denn sie kennen nicht die verborgenen Geschichten der Beteiligten. Gerade auf diese Geschichten zielen aber die Botschaften. Möglicherweise erzeugen EVP-Aufnahmen nur bei den Beteiligten AHA-Effekte/Synchronizitäten, wodurch der Spuk für die eine BEdeutung bekommt. Deshalb könnte es besser sein, ausschließlich Fokusperson bzw. Beteiligte die tonbänder anhären zu lassen und sich als Geisterjäger gänzlich aus der Interpretation herauszuhalten.


Vorüberlegung

Der Autor von www.tonbandstimmen.de diskutiert dort die These, Tonbandstimmenphänomen seien eine „Art Synchronizitäten“, „ein quasi-zufälliger Zusammenhang zwischen der Frage des Fragers und dem Zufallsgeräusch, dessen semantische Deutung für eben diesen Experimentator eine sinnvolle Bedeutung  ergibt, die auf die Frage bzw. den Umstand bezogen ist. Welche ‚Mechanismen‘ bei dieser ‚Korrelation‘ eine Rolle spielen, bleibt dabei völlig offen. […] Synchronizität bezeichnet die sinnvolle Koinzidenz eines objektiven physikalischen Vorgangs mit einem inneren psychischen Ergebnis, ohne daß dafür ein offensichtlicher kausal-mechanischer Grund ersichtlich ist. Es handelt sich sozusagen um einen ‚sinnvollen Zufall‘. […]„Das letztlich ausschlaggebende Kriterium zur Beurteilung einer TBS ist einzig und allein der Sinnzusammenhang, d.h. die Bezugnahme der Stimme auf […] Fragen oder Aussagen des Experimentators, Bemerkungen, Umständen, Situationen oder momentanen Gefühlen, Stimmungen, Gedanken oder Problemen, und eben der verstärkte Eindruck, dass es sich nicht um ‚bloßen Zufall‘ handeln kann.“

Weiter heißt es, dass Tonbandstimmen wie Synchronizitäten “hauptsächlich für den betreffenden Experimentator ‚bedeutungsvoll‘“ seinen, „während sie möglicherweise von Anderen […] als ‚Zufall‘ angesehen werden.“
Dies erscheint mir der springende Punkt, wenn Ghost Hunter Teams bei personengebundenem Spuk EVPs (Electronic Voice Phenomenon) auswerten. Zieht man nämlich das Modell der Pragmatischen Information von Walter v. Lucadou heran, hat Spuk für die Beteiligten, also für die Fokusperson und deren Umgebung eine Botschaft (nach Lukadou). Wird diese entschlüsselt, kann der Spuk enden. Nimmt man das ernst und geht man weiter davon aus, dass solche Botschaften auch über EVPs erfahrbar sind, dann untersuchen beratenden Geisterjäger Tonbandbotschaften, die nicht an sie gerichtet sind. Somit kann sich gegenüber dem Spukphänomen auch kaum ein Bedeutungszusammenhang mit einhergehendem AHA-Effekt einstellen. Es ist ja gerade die Eigenheit eines AHA-Effektes, dass schlagartig eine Erkenntnis auftaucht, welche sich auf implizites, nicht bewusstes Wissen stützt, z.B. über problematische Familienstrukturen, die zu psychischen Problemen von Teenagern führen können und Ursache für Poltergeistphänomene sein sollen. Diese Familiengeschichten werden die parapsychologischen Berater und Ghost Hunter in der Regel nicht kennen. Die Auswertung von Tonbandaufnahmen abseits der betroffenen Klienten ist somit für die Erzeugung eines AHA-Effektes bei diesen ungeeignet.

Konsequenzen für die Praxis

Aus meiner Sicht ist die Erprobung einer Beteiligten-zentrierten EVP-Praktik lohnenswert. Bei dieser suchen allein die Fokusperson bzw. die Beteiligten nach einem Sinnzusammenhang in der Tonbandaufnahme und zwar unbeeinflusst von den Beratern. Zunächst wird der Fokusperson mitgeteilt, dass der Inhalt einer mögliche Tonbandstimme wenn, dann wahrscheinlich nur für sie Bedeutung hat. Danach wird ihr das Material vorgetragen. Im Idealfall würde das gesamte Material von der Fokusperson angehört werden, was aus praktischen Gründen jedoch kaum umsetzbar ist. Die Berater werden also das Material in der Praxis probehören und der Fokusperson auffällige Abschnitte vorspielen. Dasselbe geschieht dann vor im Beisein möglichst aller beteiligten. Ob stattdessen jedem Beteiligten einzeln das Material vorgespielt werden oder ob eine Gruppendiskussion Tonbandaufnahmen gemeinsam interpretieren sollte, wäre in der Praxis zu erproben und nicht zuletzt von der Zugänglichkeit der betreffenden Personen abhängig.

Beteiligtenzentriertes EVP und nicht-animistische Ansätze

Das Vorgehen gründet vor allem auf dem vorangehend beschriebenen animistischen Ansatz für Spukerklärungen. Er schließt jedoch auch spiritistische Ansätze nicht aus, bei denen die Tonbandstimmen als verstorbene Seelen interpretiert werden. Beispielsweise kann der Klient das Gefühl hat, von einer verstorbenen Person eine Nachricht erhalten zu haben, kann ein AHA-Effekte auftreten.
Basiert ein Spuk auf einer reinen Wahrnehmungstäuschung oder Fehlinterpretation des Klienten, sind AHA-Effekte, bzw. Synchronizitäten ebenfalls möglich. Z.B. wenn der Klient das Gefühl hat, von einer verstorbenen Person eine wichtige Nachricht erhalten zu haben oder wenn sich eine Art Synchronizität ähnlcih der Scarabäus-Anekdote von C.G. Jung einstellt.
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Andrea

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Re: Idee zu einer beteiligtenzentrierten EVP-Praktik
« Antwort #1 am: 23. Juni 2011, 00:16:25 »

Gute Überlegungen.

Dein Vorschlag "Aus meiner Sicht ist die Erprobung einer Beteiligten-zentrierten EVP-Praktik lohnenswert." ist bestimmt einmal interessant zu erproben.
Was ist jedoch wenn ALLE beteiligten Berater UND Fokusperson dasselbe hören? unabhängig voneinander?
Zudem sind die Berater meist imstande ebenfalls Zusammenhänge zu implizieren, da sie sich eigentlich vorher schon informiert haben über die dortigen Geschehnisse, und auch Geschichte des Gebäudes und der Personen.
Evt. wäre es sinnvoller die ESPs oder auch EVPs von absolut unabhängigen Personen anhören zu lassen. Die rein gar nichts wissen und auch mit dem Thema nichts zu tun haben.
Ich habe mal einen kleinen persönlichen Test gemacht, und haben eine EVP versch Menschen vorgespielet, die nichts wussten, und stellte fest, das nur etwa 50% das hörten was ich oder das GH team hörte.

Meine Theorie die ich verfolge und die für mich am ehesten greift, ist die Theorie der subjektiven Soundwahrnehmung. Thread dazu


Wir sind dabei diverse Studien mit EVPs zu machen, diese beinhalten die Erprobung versch. Aufzeichnungsgeräte und Techniken , sowie auch der Versuch mit versch Beteiligten und auch das abhören selbst von versch Personen .

lg
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GuteN8

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Re: Idee zu einer beteiligtenzentrierten EVP-Praktik
« Antwort #2 am: 23. Juni 2011, 01:27:55 »

Wenn die dasselbe hören, hätte es trotzdem nicht für alle dieselbe Bedeutung. Oder vielleicht doch. Ich weiß es nicht. Ich habe mir nur mal überlegt, was man tun müsste, wenn man Synchronizität und das Lucadouspukmodell konsequent ernst nimmt Plus der Hypothese, dass EVPs psychologische oder paranormale Implikationen haben könnten.

Beim Poltergeistphänomen soll es doch so sein, dass die Person keine Lösung für ein Problem findet und deshalb was nach Außen verlagert, was dann Spuk wird. Das heißt, diese Person ist sich der Problemstruktur gar nicht bewusst. Es gibt in der Sozialforschung sehr ausgefeilte Methoden, die dem Ansatz folgen, dass Personen über verborgenes Wissen verfügen, über das sie nichts wissen und auch der Forscher nicht ohne weiteres an dieses Wissen herankommt. Z.B. verborgenes Wissen, welches eine Familie miteinander teilt. Da das Wissen den Familienmitgliedern nicht bewusst ist, können sie das dem Geisterjäger auch gar nicht mitteilen. Das würde der erst durch soziologische oder psychologische Beobachtung des Familienalltags oder über Erzählen von Familiengeschichten aufwändig herausarbeiten müssen (Ich spreche vom Normalgeisterjäger. Es gibt sicher auchsehr begabte Menschen, die solches nicht kommuniziertes Wissen intuitiv erahnen). Was ein Klient also erzählt, muss nicht zwangsläufig für den Spuk relevant sein.

Ich würde ja weiter mit bewährten Methoden arbeiten, aber manchmal kommt man vielleicht an einen Punkt, wo man sich fragt, hm, was können wir denn jetzt noch machen. Und dann probiert man halt mal sowas Spekulatives aus.

Auf die Studien bin ich schon gespannt. OK, ich lese mir mal die subjektiven Soundwahrnehmung durch.  :)
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Andrea

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Re: Idee zu einer beteiligtenzentrierten EVP-Praktik
« Antwort #3 am: 23. Juni 2011, 11:34:17 »

Ich würde Lucadous RSPK Modell und EVPs eigentlich nicht in eine Schublade stecken wollen.

Das RSPK in 90% aller privaten Spukfälle zutrifft ist für mich ein Fakt. Ich habe schon genug Privatfälle damit bearbeitet und ich nenne es wie ein Theaterstück. Immer dasselbe Stück, nur mit anderen Darstellern und Requisiten.

EVPs hingegen werden doch eher in der GH Szene praktiziert und angewendet. Privatleute machen das eher selten.
Gott sei Dank muss man sagen, denn das würde ihr Problem nur verschlimmern.
So ein Fall ist eigentlich nicht schwer zu erkennen, und auch zu bearbeiten,denn man merkt ganz schnell was Sache ist. Wenn ich mich mit so einer Person 3-4 Stunden (solange dauert es meist) unterhalten habe, kristallisiert sich deren Problem eigentlich schnell heraus.Das schwierigste ist dann meist nur ihnen das auch klar zu machen. Ich habe auich schon weiter an Lucadou verwiesen wenn mir das zu "heiss" wurde. Denn Psychologe bin ich nunmal keiner.
Aber es hilft den Menschen meist schon darüber zu reden. Man kann ihnen dann Lösungsansätze geben, ob sie die dann befolgen steht woanders.

EVPs hingegen kann jeder machen und JEDER wird etwas hören. Egal nun ob er psychische Probleme hat oder nicht. Sie sind überall verfügbar und überall vorhanden. Wie und durch was sie entstehn ist Ortsabhängig .Nicht aber ortsgebunden wie RSPK.


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GuteN8

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Re: Idee zu einer beteiligtenzentrierten EVP-Praktik
« Antwort #4 am: 23. Juni 2011, 13:19:50 »

Schade, dass die Gespräche nicht irgendwie transkribiert vorliegen. Da könnte man so viel Inhaltsanalysen dran machen. Es gibt ja einige Studien, die mit Briefen von Betroffenen über Spukphänomene arbeiten. Glaubst du, die Betroffenen würden was dagegen lassen, wenn man die Interviews mitschneidet, um die dann abzuschreiben? Unter der in der Sozialforschung schriftlichen Zusicherung von Anonymisierung (anderer Name, andere Stadt usw.) und Löschung der Aufnahmen? Wenn Ihr ein paar solche Transkribte hättet, könntet Ihr dran eigene kleine Stuien aufziehen.

Lucadous RSPK und EVPs verband ich deshalb, weil er ja von einer Botschaft und einem AHA-Effekt redet. Insofern muss auf dem Tonband gar kein Spuk zu Wort kommen. So denn der Betroffene nur daran glaubt, dass da jemand sprechen könnte, würde er vielleicht, eben wie Jung es beschreibt, zu einer Erkenntnis gelangen, die wiederum genau den erwünschten AHA-Effekt auslöst.
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