Da mir scheint, dass hier gern Methoden Thema sind, möchte ich mal meine Gedanken zur EVP Praxis äußern, von der ich glaube, dass eine Möglichkeit zur Verbesserung besteht.
Kurz und vereinfacht: Spuk hat eine Botschaft für die Beteiligten. Diese Botschaft zu erkennen, beseitigt den Spuk. Geisterjäger gehören nicht dazu. Deshalb können sie keine AHA-Effekte (Synchronizitäten nach C.G. Jung) erleben, denn sie kennen nicht die verborgenen Geschichten der Beteiligten. Gerade auf diese Geschichten zielen aber die Botschaften. Möglicherweise erzeugen EVP-Aufnahmen nur bei den Beteiligten AHA-Effekte/Synchronizitäten, wodurch der Spuk für die eine BEdeutung bekommt. Deshalb könnte es besser sein, ausschließlich Fokusperson bzw. Beteiligte die tonbänder anhären zu lassen und sich als Geisterjäger gänzlich aus der Interpretation herauszuhalten.VorüberlegungDer Autor von
www.tonbandstimmen.de diskutiert dort die These, Tonbandstimmenphänomen seien eine „Art Synchronizitäten“, „ein quasi-zufälliger Zusammenhang zwischen der Frage des Fragers und dem Zufallsgeräusch, dessen semantische Deutung für eben diesen Experimentator eine sinnvolle Bedeutung ergibt, die auf die Frage bzw. den Umstand bezogen ist. Welche ‚Mechanismen‘ bei dieser ‚Korrelation‘ eine Rolle spielen, bleibt dabei völlig offen. […] Synchronizität bezeichnet die sinnvolle Koinzidenz eines objektiven physikalischen Vorgangs mit einem inneren psychischen Ergebnis, ohne daß dafür ein offensichtlicher kausal-mechanischer Grund ersichtlich ist. Es handelt sich sozusagen um einen ‚sinnvollen Zufall‘. […]„Das letztlich ausschlaggebende Kriterium zur Beurteilung einer TBS ist einzig und allein der Sinnzusammenhang, d.h. die Bezugnahme der Stimme auf […] Fragen oder Aussagen des Experimentators, Bemerkungen, Umständen, Situationen oder momentanen Gefühlen, Stimmungen, Gedanken oder Problemen, und eben der verstärkte Eindruck, dass es sich nicht um ‚bloßen Zufall‘ handeln kann.“
Weiter heißt es, dass Tonbandstimmen wie Synchronizitäten “hauptsächlich für den betreffenden Experimentator ‚bedeutungsvoll‘“ seinen, „während sie möglicherweise von Anderen […] als ‚Zufall‘ angesehen werden.“
Dies erscheint mir der springende Punkt, wenn Ghost Hunter Teams bei personengebundenem Spuk EVPs (Electronic Voice Phenomenon) auswerten. Zieht man nämlich das Modell der Pragmatischen Information von Walter v. Lucadou heran, hat Spuk für die Beteiligten, also für die Fokusperson und deren Umgebung eine Botschaft (nach Lukadou). Wird diese entschlüsselt, kann der Spuk enden. Nimmt man das ernst und geht man weiter davon aus, dass solche Botschaften auch über EVPs erfahrbar sind, dann untersuchen beratenden Geisterjäger Tonbandbotschaften, die nicht an sie gerichtet sind. Somit kann sich gegenüber dem Spukphänomen auch kaum ein Bedeutungszusammenhang mit einhergehendem AHA-Effekt einstellen. Es ist ja gerade die Eigenheit eines AHA-Effektes, dass schlagartig eine Erkenntnis auftaucht, welche sich auf implizites, nicht bewusstes Wissen stützt, z.B. über problematische Familienstrukturen, die zu psychischen Problemen von Teenagern führen können und Ursache für Poltergeistphänomene sein sollen. Diese Familiengeschichten werden die parapsychologischen Berater und Ghost Hunter in der Regel nicht kennen. Die Auswertung von Tonbandaufnahmen abseits der betroffenen Klienten ist somit für die Erzeugung eines AHA-Effektes bei diesen ungeeignet.
Konsequenzen für die PraxisAus meiner Sicht ist die Erprobung einer Beteiligten-zentrierten EVP-Praktik lohnenswert. Bei dieser suchen allein die Fokusperson bzw. die Beteiligten nach einem Sinnzusammenhang in der Tonbandaufnahme und zwar unbeeinflusst von den Beratern. Zunächst wird der Fokusperson mitgeteilt, dass der Inhalt einer mögliche Tonbandstimme wenn, dann wahrscheinlich nur für sie Bedeutung hat. Danach wird ihr das Material vorgetragen. Im Idealfall würde das gesamte Material von der Fokusperson angehört werden, was aus praktischen Gründen jedoch kaum umsetzbar ist. Die Berater werden also das Material in der Praxis probehören und der Fokusperson auffällige Abschnitte vorspielen. Dasselbe geschieht dann vor im Beisein möglichst aller beteiligten. Ob stattdessen jedem Beteiligten einzeln das Material vorgespielt werden oder ob eine Gruppendiskussion Tonbandaufnahmen gemeinsam interpretieren sollte, wäre in der Praxis zu erproben und nicht zuletzt von der Zugänglichkeit der betreffenden Personen abhängig.
Beteiligtenzentriertes EVP und nicht-animistische AnsätzeDas Vorgehen gründet vor allem auf dem vorangehend beschriebenen animistischen Ansatz für Spukerklärungen. Er schließt jedoch auch spiritistische Ansätze nicht aus, bei denen die Tonbandstimmen als verstorbene Seelen interpretiert werden. Beispielsweise kann der Klient das Gefühl hat, von einer verstorbenen Person eine Nachricht erhalten zu haben, kann ein AHA-Effekte auftreten.
Basiert ein Spuk auf einer reinen Wahrnehmungstäuschung oder Fehlinterpretation des Klienten, sind AHA-Effekte, bzw. Synchronizitäten ebenfalls möglich. Z.B. wenn der Klient das Gefühl hat, von einer verstorbenen Person eine wichtige Nachricht erhalten zu haben oder wenn sich eine Art Synchronizität ähnlcih der Scarabäus-Anekdote von C.G. Jung einstellt.